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Inspektion jetzt oder Service jetzt – Inspektionsintervall zurücksetzen beim VW Caddy 2K (und T5)

    Wenn einen der Bordcomputer mit den Worten „Service jetzt“, „Inspektion jetzt“ oder „Service in X Tagen“ begrüßt, weiß man schon, dass man entweder einen Termin in der Werkstatt suchen oder sich mit dem Gedanken befassen sollte, sich eines der nächsten Wochenenden mal freizuhalten und selbst zu basteln. In dem Moment meldet sich nicht nur das Auto, sondern meist auch das schlechte Gewissen: „Wollte ich nicht längst mal nach dem Öl schauen? Und wie alt sind die Bremsen eigentlich schon?“ VW unterscheidet ja je nach Modell und Ausstattung zwischen festen und flexiblen Serviceintervallen, also zum Beispiel dem klassischen Jahresservice alle 15.000 Kilometer oder einem Longlife-Intervall, der sich an Fahrprofil, Ölqualität und Zeit orientiert.

    Zu Caddy und T5 habe ich ja schon des öfteren kleinere Service-Arbeiten durchgeführt und hier dokumentiert (die Suchwörter/Links T5 bzw. Caddy helfen da vielleicht weiter) und vieles kann man mit gutem Gewissen selbst machen, von Zeit zu Zeit kann aber auch mal der Blick eines Fachmanns nicht schaden. Gerade bei sicherheitsrelevanten Themen wie Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk ist eine fachkundige Zweitmeinung nie verkehrt, selbst wenn man vieles selbst erledigen kann. Wer sein Fahrzeug regelmäßig selbst wartet, kennt die typischen Schwachstellen irgendwann ganz gut, übersieht aber eventuell Dinge, die ein Profi aus Routine sofort sieht.

    Anmerkung, wer direkt nach dem Rücksetzen gesucht hat und nicht viel lesen möchte, kann direkt nach unten scrollen, hier kommt erst mal viel Text ;)

    Anmerkung 2 – jetzt ganz neu auch als Video, für diejenigen, die überhaupt nicht lesen wollen:

    Funktionsweise der Erinnerung

    VW schreibt dazu als Erklärung sinngemäß:

    Bei Fahrzeugen ohne Textmeldungen im Display des Kombi-Instruments erscheint ein Schraubenschlüssel-Symbol und eine Anzeige „km“. Die angegebene Kilometerzahl ist die Anzahl der Kilometer, die noch maximal bis zum fälligen Service-Termin gefahren werden kann. Nach einigen Sekunden wechselt die Anzeigenart. Es erscheint ein Uhr-Symbol und die Anzahl der Tage bis zum fälligen Service-Termin.

    Bei Fahrzeugen mit Textmeldungen im Display des Kombi-Instruments erscheint „Service in — km“ oder „— Tagen“. Gerade beim T5 und Caddy taucht diese Meldung nach dem Starten wie ein kleiner digitaler Zeigefinger auf, verschwindet nach ein paar Sekunden wieder und erinnert einen dann beim nächsten Start erneut.

    Bei einem fälligen Service ertönt beim Einschalten der Zündung ein akustisches Signal und für einige Sekunden erscheint das blinkende Schraubenschlüssel-Symbol. Bei Fahrzeugen mit Textmeldungen im Display des Kombi-Instruments erscheint „Service jetzt“. Wer einen flexiblen Longlife-Service aktiviert hat, bei dem berechnet das Steuergerät den nächsten Termin dynamisch, zum Beispiel abhängig von Kaltstarts, Kurzstreckenverbrauch oder dem Alter des Öls. Fährt man viel Kurzstrecke, kann der Service dadurch deutlich früher fällig werden, während Langstreckenfahrer den maximalen Abstand besser ausnutzen.

    Damit die Anzeige sinnvoll bleibt, muss sie nach jeder Wartung zurückgesetzt werden. Technisch gesehen speichert das Steuergerät beim Rücksetzen den aktuellen Kilometerstand und setzt die Zeit- und Wegzähler für Service und Inspektion zurück. Ab diesem Zeitpunkt wird wieder neu mitgezählt, bis das nächste Intervall erreicht ist. Macht man also selbst Servicearbeiten und vergisst, die Anzeige zurückzusetzen, „denkt“ das Auto weiterhin, es wäre gar nichts passiert und meldet sich entsprechend schnell wieder.

    Umfang der Servicearbeiten

    Laut VW umfasst der Standardservice dann folgendes (auszugsweise):

    • Dicke der Scheibenbremsbeläge vorn und hinten prüfen – wichtig für die Sicherheit, hier sieht man auch gleich, ob demnächst ein Bremsenservice ansteht.

    • Motoröl wechseln und Motorölfilter ersetzen – je nach Intervall fester Service (z. B. alle 15.000 km/1 Jahr) oder flexibler Longlife-Service (bis zu 30.000 km oder 2 Jahre).

    • Service-Intervall-Anzeige zurücksetzen – entweder über das Bordmenü oder per Tastenkombination, dazu unten mehr.

    • Batterie und ggf. Zweitbatterie Sichtprüfung – auf Korrosion an den Polen, sicheren Sitz und offensichtliche Beschädigungen.

    • Bremsanlage Sichtprüfung auf Undichtigkeiten und Beschädigungen – Bremsschläuche, Leitungen, Sättel und Scheiben.

    • Bremsflüssigkeitsstand prüfen – im Zusammenhang mit Belagverschleiß; zu niedriger Stand kann auf Verschleiß oder Leckagen hinweisen.

    • Luftfilter mit Sättigungsanzeige prüfen (falls vorhanden) – ein zugesetzter Luftfilter erhöht den Verbrauch und mindert die Leistung.

    • Reifenprofil, Zustand, Laufbild und Fülldruck prüfen, inklusive Reserverad, ggf. korrigieren – ungleichmäßig abgefahrene Reifen können auf Probleme an Fahrwerk oder Spur hinweisen.

    • Servolenkungs-Ölstand prüfen – bei Fahrzeugen mit hydraulischer Lenkung, bei rein elektrischer Servolenkung entfällt das.

    • Abgasanlage Sichtprüfung auf Undichtigkeiten, Beschädigungen und Befestigung – klappernde oder durchgerostete Teile fallen hier auf.

    • Achsgelenke, Achslager, Koppelstangenlager und Stabilisatorgummilager prüfen – typische Verschleißteile, die bei höheren Laufleistungen gern Geräusche verursachen.

    • Bremsflüssigkeit wechseln – laut Hersteller alle paar Jahre, da die Flüssigkeit Wasser zieht und damit der Siedepunkt sinkt.

    • Dichtungen der Schiebefenster reinigen und mit Gummipflegemittel behandeln – nur bei Fahrzeugen mit Schiebefenstern, beugt Quietschen und Undichtigkeiten vor.

    • Fahrzeugsystemtest durchführen – Fehlercodes auslesen, Steuergeräte prüfen, ggf. Softwarestände vergleichen.

    • Front- und Heckbeleuchtung, Scheinwerfereinstellung und Innenraumbeleuchtung prüfen – inklusive Signalhorn, Kontrollleuchten, Zigarettenanzünder bzw. Steckdosen.

    • Karosserie auf Lackbeschädigungen prüfen – kleiner Rostansatz lässt sich früh besser behandeln.

    • Kühlsystem: Kühlmittelstand und Frostschutz prüfen – wichtig vor allem vor dem Winter oder bei längeren Reisen.

    • Motor und Bauteile im Motorraum (von oben und unten) Sichtprüfung, inklusive Getriebe, Achsantrieb und Gelenkschutzhüllen – hier fallen Öllecks oder rissige Manschetten auf.

    • Probefahrt, dabei Funktion von Fuß- und Handbremse, Schaltung, Lenkung, Kickdown, Klimaanlage prüfen – die kurze Runde zeigt oft Dinge, die im Stand nicht auffallen.

    • Pannenset (falls vorhanden) prüfen – Haltbarkeit des Dichtmittels und Zustand der Flasche.

    • Scheibenwisch- und -waschanlage, Wischerblätter und Scheinwerferreinigungsanlage prüfen, ggf. Flüssigkeit auffüllen.

    • Spurstangenköpfe, Befestigungen und Dichtungsbälge prüfen.

    • Türfeststeller schmieren.

    • Unterbodenschutz und Unterbodenverkleidung Sichtprüfung.

    • Service-Aufkleber ausfüllen – nächsten Service eintragen und am Türholm der Fahrerseite ankleben.

    Auf dem Papier klingt das nach einer halben Doktorarbeit, in der Praxis sind viele Punkte aber reine Sichtprüfungen, die man mit etwas Erfahrung selbst machen kann. Einige Dinge, gerade Bremsflüssigkeit oder komplexere Fahrwerksthemen, würde ich dennoch nur selbst angehen, wenn das nötige Werkzeug und Know-how vorhanden sind.

    Das Zurücksetzen – allgemeine Möglichkeiten

    Im Idealfall läuft es aber so, dass dieses ominöse Wochenende, an dem man das alles durchgecheckt hat, schon vorbei ist und man lediglich mal wieder vergessen hat, den Serviceintervall zurückzusetzen. Dazu nimmt man entweder einen von vielen Testern auf Amazon (den verlinkten habe ich nicht getestet und verlinke ihn nur deshalb, weil er bezahlbar ist und in den Bewertungen konkret ein T5.2 und Caddy als funktionierend erwähnt werden), schließt den an die OBD-Buchse an und setzt den Intervall zurück. Viele dieser einfachen Tester können genau zwei Dinge: Fehler auslesen/löschen und Serviceintervall zurücksetzen. Das reicht für unseren Zweck vollkommen.

    Oder man hat ein Notebook mit VCDS herumliegen und verwendet das. Über VCDS lassen sich nicht nur feste Intervalle zurücksetzen, sondern auch die Longlife-Parameter konfigurieren oder die Anzeige wieder auf flexiblen Service umstellen. Das ist vor allem dann spannend, wenn das Auto ab Werk mit Longlife-Intervall ausgeliefert wurde, man aber bewusst auf festen Intervall wechseln oder umgekehrt zurück auf Longlife möchte.

    Oder als dritte Möglichkeit die nun folgend beschriebene, für die man gar nichts außer Auto, Schlüssel und zwei Finger braucht. Der Charme dieser Methode: Man braucht keinen Tester, keine Software und kann sie im Zweifel auch auf dem Parkplatz anwenden, wenn einen die Meldung gerade nervt.

    Das Zurücksetzen der Service-Intervall-Anzeige ist einfach und schnell erledigt, hatte ich auch hier schon erwähnt (da hauptsächlich für den T5)

    Service-Intervall zurücksetzen beim VW T5 T5.2 und T6

    Rücksetzen beim T5

    Kurz zusammengefasst – wenn man einen Bordcomputer mit Display hat, einfach in die Einstellungen, dort unter Service und dann Reset auswählen. Noch mit OK bestätigen und fertig. Hat man kein Display, geht man so vor: Zündung aus! Taste „0.0 / Set“ drücken und halten. Zündung einschalten. Taste „0.0 / Set“ loslassen und jetzt innerhalb von 20 Sekunden diese Taste mit den zwei Rechtecken drücken. Hab ich da noch wo ein Bild…? Moment.. diese hier:

    Tacho mit Drehzahlmesser im T5 - Taste zur Servicerückstellung

    So klappt es beim T5.2 problemlos.

    Rücksetzen des Ölwechsel-Intervalls beim Caddy

    Beim Caddy funktioniert das Rücksetzen des Ölwechsel-Intervalls genauso – nur muss man hier, unabhängig ob mit oder ohne Display, immer die Tasten drücken wie oben beschrieben. Mit Display muss man dann am Schluss via OK-Taste (Scheibenwischerhebel oder Multfunktionslenkrad) bestätigen, ohne Display geschieht dies wie oben per Druck auf die Zwei-runde-Rechteck-Taste innerhalb von 20 Sekunden.

    Spannend wird es jetzt, wenn wir keinen Ölwechsel-Intervall zurückstellen wollen, sondern eine Inspektion.

    Inspektion beim Caddy zurückstellen

    Hier gibt es wieder zwei Varianten (mit und ohne Display), die sich aber nur durch den letzten Schritt (OK-Taste drücken oder innerhalb von 20 Sekunden die Rechtecktaste) unterscheiden:

    • Zündung ausschalten
    • Warnblinker einschalten
    • Taste „0.0 / Set“ drücken und halten
    • Zündung einschalten
    • Taste „0.0 / Set“ loslassen
    • Mit OK bestätigen oder die Taste links im Kombi-Instrument drücken
    • Warnblinker (am besten wieder) ausschalten

    Ein (mittel-)kurzer Hinweis, den ich künftig in die meisten Berichte einbaue: Die Berichte wurden nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Ich schreibe bewusst „Berichte“ und nicht „Anleitungen“, man darf wohl mittlerweile nicht mehr den Eindruck erwecken, man würde hier einen Leser anleiten.. eigentlich selbstverständlich, dass ihr selbst nachdenkt, aber man muss das jetzt eben extra erwähnen. Ich würde es auch als selbstverständlich erachten, dass man keine Katze in der Mikrowelle trocknet und trotzdem wird es Gerüchten zufolge in Bedienungsanleitungen erwähnt. Bitte beachtet, dass ich kein Fachmann bin und daher keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen übernehmen kann. Reparaturen an eurem Fahrzeug führt ihr auf eigene Gefahr durch. Denkt daran, dass euer Fahrzeug vielleicht auch von anderen Personen genutzt wird, die möglicherweise nichts von eventuellen Veränderungen oder Reparaturen wissen. Im Zweifelsfall empfehle ich dringend, einen Fachmann zu konsultieren oder eine qualifizierte Werkstatt aufzusuchen. Eure Sicherheit und die Sicherheit aller Nutzer des Fahrzeugs stehen an erster Stelle.

    Und dann noch ein Hinweis: Ich verwende in den Beiträgen häufig Links mit Produktempfehlungen zu eben den Produkten, die ich hier verwende. In 99% der Fälle habe ich verwendete Teile und Werkzeug selbst gekauft und mit eigenem schwer erarbeiteten und versteuertem Geld bezahlt. Ganz selten kommt es vor, dass ich Produkte gestellt bekomme, dann erwähne ich das aber deutlich. Recht häufig kommt es aber vor, dass ich Affiliate-Links zu Amazon und Ebay (selten auch andere Partner) verwende. Wer nicht ganz neu im Internet ist weiß, dass ich dadurch bei eine kleine Provision bekomme und ihr aber nicht mehr dafür bezahlt, als sonst.

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