Waschmaschine (Siemens, Bosch, Neff, BSH, …) selbst reparieren: Verkalkte Heizung tauschen

„Die Waschmaschine war heut Morgen aus, aber noch nicht fertig. Ging an der einen Steckdose nicht mehr an, an der vom Trockner aber schon. Ich hab sie dann noch mal gestartet und nach ein paar Minuten war sie wieder aus.“

Diese Nachricht erreichte mich beim Arbeiten und wer verheiratet ist, liest zwischen diesen Zeilen den eindeutigen Arbeitsauftrag: Kümmer Dich um die Waschmaschine und mach, dass sie wieder läuft.

Ich kam also ein paar Stunden später Zuhause an und fand zwar keine Familie vor (die war bei >30 Grad im Freibad), dafür aber einen Zettel, auf dem ich noch mal erinnert wurde, dass ich mich zur Waschmaschine aufmachen solle. Erster Blick in den Sicherungskasten, nachdem die Maschine keinen Mucks machte: Tatsächlich Sicherung ausgelöst von den Steckdosen der Waschmaschine und vom Trockner. Wieder rein damit, sie springt sofort wieder raus. Aha.

Stecker von der Maschine raus und Schadensbegutachtung. In der Trommel viel nasse Wäsche und viel Wasser, was erst mal raus muss. Also ein passendes Gefäß unterstellen, Abdeckung vom Ablaufhahn lösen und den Deckel öffnen. Bessere Maschinen haben an der Stelle wohl einen Ablaufschlauch, der die jetzt eintretende Sauerei vielleicht etwas verhindert hätte… das Gefäß ist nämlich denkbar ungeeignet, weshalb ich nun erst mal 10 Minuten mit Bodenwischen beschäftigt bin. Zum Glück fällt mir irgendwann der Nasssauger auf, der noch in der Ecke steht und die Arbeit geht etwas schneller.

Der Verdacht nach kurzer Recherche: Die Heizung ist vermutlich aufgrund von zu viel Kalk kaputt. Zeigt sich tlw. so, dass die Maschine noch startet und ihr Programm beginnt, dann aber in dem Moment die Sicherung rausspringt, wenn sie das Wasser aufheizen möchte. Jetzt schon so verkalkt? Die Maschine ist doch erst… wann haben wir die gekauft?… ach, 2008… ok, dann darf sie verkalkt sein.

So, jetzt wird es interessant. Zuerst noch zwei oder drei Mal prüfen, dass auch wirklich der Netzstecker gezogen ist. Wasserhahn zu drehen. Dann Werkzeug holen und los geht’s!

  • Dichtung der Waschtrommel lösen. Diese ist mit einem Metallring verspannt, den man weghebeln kann. Die Dichtung wird dann einfach nach innen gedrückt, so dass sie die Frontplatte nicht mehr festhält.
  • Bei meiner Siemens befinden sich nun zwei Schrauben (Torx 20 glaube ich) an der Unterseite, d.h. Maschine nach hinten kippen und diese lösen. Gegen eingeklemmte Finger habe ich eine Holzlatte untergelegt, falls sie spontan zurückkippen sollte.
  • Oben an der Waschmittelschublade (die heißt bestimmt anders) sind ebenfalls zwei Torx-Schrauben. Damit man die lösen kann, benötigt man einen dünnen, langen Torx-Dreher oder einen langen Torx-Bit (TX20).
  • Der Einfachheit halber habe ich nun noch den Deckel gelöst – zwei Torx von hinten. Hätte man vielleicht nicht gebraucht, da es aber nur die zwei Schrauben waren, schadet es auch nicht und macht die ganze Sache etwas übersichtlicher. Außerdem löst sich so (bei mir) die obere Blende einfacher.
  • Die Frontblende hält jetzt nur noch durch solche Stecknippel und kann einfach abgehebelt werden.
  • Unter der Waschtrommel findet sich nun die Heizung (Heizspirale, Heizwendel, Heizelement oder wie immer das auch korrekt heißt). Das Ding, was in der „Waschmaschinen leben länger mit…“-Werbung immer total verkalkt und damit kaputt ist und welches bei mir mutmaßlich genauso wie in der Werbung aussieht.
  • Kabel der Heizung abziehen. Vorher ein Bild machen, wo was wie angeschlossen ist. 10er-Mutter in der Mitte lösen und drauf drücken – dadurch entspannt sich eine Gummidichtung dahinter etwas.
  • Jetzt die Heizung herausziehen. Liest sich einfacher, als das bei einer 11 Jahre alten Maschine tatsächlich ist. Mithilfe einer gekröpften Zange bekomme ich sie aber dann gelöst und sehe nun den Grund für den Defekt sicher vor mir liegen. Absolut verkalkt und abgeraucht.
  • Neue Heizung bestellt. Das geht vom Original-Händler zum Original-Preis oder für einen Bruchteil davon über Amazon und so – ich weiß echt nicht, wie das bei uns in der Provinz funktioniert – schicke ich die Bestellung abends ab und habe am nächsten Mittag das Paket in Händen.
  • Einbau: bei der von mir bestellten Variante muss der Temperatur-Sensor noch von der alten Heizwendel übernommen werden – einfach dort herausziehen und in das passende Loch der neuen hineinstecken (wenn man auf Nummer Sicher gehen möchte, bestellt man diesen noch für einen Zehner mit). Dann die Heizung in die Maschine, Mutter fest und Kabel ran.
  • Erster Test im offenen Zustand. Es sollte klar sein, dass man dabei kein Kind in der Nähe herumrennen hat und auch selbst nicht so betrunken dabei ist, dass man in stromführende Teile fallen könnte. Test bestanden, Sicherung fliegt nicht mehr.
  • Stecker wieder ziehen und Maschine zusammen bauen.
  • Die alte, muffelige Wäsche, die man gestern genervt ausgeräumt hat, wieder in die Maschine, Programm wählen, Start. Dann merken, dass das Wasser noch zu ist. Aufdrehen.
  • Tut! Nach 2 Stunden ist das Programm fertig, die Wäsche sauber und das Wasser abgepumpt.


    Fazit: Wenn man gern ein bisschen bastelt, nicht völlig unbegabt in der Hinsicht und sich der Gefahr von Strom – gerade in Verbindung mit Wasser – bewusst ist, bekommt man das gut ohne Servicetechniker hin. Wie immer gilt natürlich, wenn ihr das nachmacht: ICH KANN NIX DAFÜR, wenn ihr eure Maschine oder euch selbst oder andere beschädigt!

    An Werkzeug braucht man am besten ein Bit-Set, das auch lange Torx-Bits enthält, einen breiten Schraubenzieher, um den Ring um die Trommeldichtung abzuhebeln, eine kleine Zange oder irgendeine Art Haken, um die festsitzende Heizung herauszubekommen (vielleicht geht das bei euch auch einfacher oder ihr hab robustere Finger als ich). An Ersatzteilen kann ich die via Amazon bestellbaren Teile von Drehflex empfehlen, die mir bereits bei meiner Spülmaschinenreparatur gute Dienste erwiesen haben (und noch immer erweisen). Mehr braucht man nicht. Wenn man eh schon bestellt, kann man noch gleich eine Packung Entkalker mit in dem Warenkorb klicken, weil es sich anbietet, die Maschine nach der Reparatur mal durchzuspülen. Das hätte ich vielleicht auch schon vorher mal ab und zu machen können, dann wäre es vielleicht gar nicht zu dem Problem gekommen. Aber wie schon gesagt, bei dem Alter hat sich die Maschine schon gelohnt und die paar Euro für die Ersatzteile darf sie sich genehmigen.

    Das Vorgehen soll wohl bei den meisten Waschmaschinen fast identisch sein, sei es jetzt Bosch, Constructa, Siemens, Neff, Miele, Whirlpool oder wie sie alle heißen. Es kann aber bei manchen sein, dass man von hinten an die Heizung muss – das konnte ich bei mir leicht ausschließen, weil es hinten bei mir einfach keine Abdeckung zum Abschrauben gab. Auch die Heizungen, die angeboten werden, passen sehr universell, lediglich die Abmessungen und die Wattzahl müssen ungefähr passen (ein paar Watt mehr oder weniger machen wohl nichts aus).

    Viel Erfolg!

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