Automarken machen Leute?

Ich fahre seit etwa 4 Jahren VW-Bus. Davor und währenddessen nannte ich einen VW Polo, Ford Sierra, Audi 100, Ford Escort Cabrio und einen Trabi mein Eigen (wobei ich den Trabi zwar lange besaß, aber nur ein paar Meter gefahren bin). Der erste meiner – im Moment noch zwei – VW-Busse wurde durch ein 50PS-Dieselaggregat angetrieben, welches ihn (unter besten Bedingungen) auf 115 km/h katapultierte.

Worauf ich hinaus will? Bei all den Fahrzeugen hatte ich nie den Eindruck, andere Verkehrsteilnehmer in irgendeiner Art herauszufordern oder zu provozieren – und beim 50PS-Bus hätte ich dies sogar durchaus verstehen können. Gut, irgendwelche Badekappen gab es an der Ampel schon immer, aber die tauchen mit den tiefergelegten Golfs sogar auf, wenn ich mit dem Motorrad auf Grün warte und ihr wiederholtes Spiel Vollgas, Standgas, Vollgas, usw. dank Helmdämmung weder richtig mitbekomme noch ansatzweise ernst nehmen kann.

Tja, seit 4 Monaten fahre ich jetzt BMW. Nicht aus Überzeugung – ganz bestimmt nicht! Ich fahre ihn deshalb, weil ich für die Leistung, den Fahrspaß und die Qualität einen mehr als angemessenen Preis bezahlt habe (das kollegiale Vitamin-B machte das möglich). Und mit diesem Auto ändert sich alles.

Es handelt sich um einen serienmäßigen 328i, den der Kenner wohl an den doppelten Endrohren ausmacht – der Schriftzug wurde nämlich für’s passende Understatement schon vom Vorbesitzer mit Schraubenzieher und Hammer weggedengelt. Kenner gibt es scheinbar viele und jeder zweite fühlt sich wohl herausgefordert, an der Ampel mit quietschenden Reifen davonzuziehen oder mit dem untermotorisierten Familienkombi im dritten Gang knapp vor Drehzahlbegrenzer im 70er-Bereich zu überholen und auf fast peinliche Art 10 Meter vor dem Kreisverkehr wieder auf 30 herunterzubremsen. Das nur, damit er mir gezeigt hat, wie er’s drauf hat… Nach Rücksprache mit dem Vorbesitzer scheint es tatsächlich am Auto zu liegen, da er ähnliche Erlebnisse hatte.

Oder, als anderes Beispiel: Ich fahre mit Freundin und BMW zum Fastfoodtempel im Nachbarort, cruise mit 90 km/h über die Landstraße und seh vor mir einen baugleichen BMW, der allerdings ein optisches Allerlei in Pimp-My-Ride-Manier am Heck verbastelt hat. Dazu fährt er mit einer roten Nummer und bremst, kaum dass ich näherkomme, auf 60 ab. Dass er diese Verlangsamung meinetwegen durchgeführt hat, interpretiere ich im Nachhinein in die Situation. Direkt in diesem Moment dachte und sagte ich „Ah, rote Nummer. Sicher Probefahrt und er macht vorsichtig..“. Ortschild erreicht, abbremsen auf 40, dann 30… erste Zweifel kommen auf, ob er mir vielleicht etwas mitteilen will und ich rechne jeden Moment mit dem Aufleuchten seiner Warnblinker (seiner Warnblinker – ist das korrektes deutsch? Ja ja, dei Mudder sei Gsicht). Die leuchten nicht auf, er zögert aber und wechselt dann die Spur in Richtung Linksabbieger. Als er merkt, dass ich auf der rechten Spur bleibe und innerortstaugliche 56 km/h als Reisegeschwindigkeit wähle, zieht er ebenfalls nach rechts und klebt mir an der Stoßstange. Auch die nochmalige Nachfrage bei der Freundin, ob ich denn irgendetwas gemacht hätte, was der fremde Fahrer falsch verstehen hätte können (zu dicht aufgefahren, falsch eingestelltes Licht, es gibt ja so einiges), verneint diese.

Nun ja, auf jeden Fall bringt der Sportwagenfahrer sein ganzes Können auf und zieht auf der Gegenspur (immer noch innerorts) an mir vorbei und schießt auf die Ampel zu. Die wurde, als sich unsere B-Säulen für eine Millisekunde auf gleicher Höhe befanden und ich einen Blick auf seine 14jährige Freundin erhaschen konnte, orange und zwei Sekunden später rot. In diesen zwei Sekunden musste er sich überlegen, ob er zum Stillstand kommen oder weiter Gas geben solle (und ich hoffte so, dass ich an der Ampel anhimmelnd die Scheiben runterlassen, mich halb rauslehnen und in respektvollem Ton sagen könnte „Mann, da hast Du mir’s aber sauber gegeben!“). Er entschied sich für Gasgeben, die Ampel war seit etwa zwei Sekunden rot und man sah noch unentschlossen zweimal kurz sein Bremslicht aufblitzen, während er die B10 in Niefern kreutzte. Dummerweise steht der Ampelblitzer um 90° gedreht und das Happy End in der Geschichte blieb aus, herzlich lachen mussten wir aber allemal, als wir zwei Minuten später vom FastFood-Drive aus zuschauten, wie er aus seinem Versteck kam und – wieder mit 30 km/h – zurück schlich.

Was ein Idiot! Ich hoffe, er hat seinen geliehenen 3er vor lauter Aufregung nass gemacht oder vollgekotzt.

Wir kommen also zu dem Schluß, dass dieses Auto die Gemüter unnötig erregt – warum, kann ich nicht sagen. Ich hab weder ein VW-Emblem am Auspuff befestigt (gibt’s das überhaupt noch?), noch hab ich einen „Eure Armut kotzt mich an“-Aufkleber auf dem Heck (noch nicht, har har). Außerdem blinke ich aus jedem Kreisverkehr und an jeder abknickenden Vorfahrtsstraße. Hilft alles nichts, im Frühjahr hab ich noch ein bisschen Spaß mit dem Auto und dann kommt er weg, bevor ich selbst zum Arschloch mutiere!

Passende Artikel

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. Squalus sagt:

    Hast du dir den Text jetzt echt wegen meiner Drängelei auf die Schnelle aus dem Kreuz geleiert oder lag der schon länger in deiner Schublade?

    Hey, locker bleiben! ;-)

    BTW: Die Deppen, die meinen, mit dem Auto ein Moped beim Ampelsprint abziehen zu können, sterben wohl nie aus. Die Erlebnisse hatte ich schon als Führerscheinneuling. Mit der Dicken bin ich bisher verschont geblieben (sieht wohl zu bieder aus), aber mit der Duc lief das Spielchen andauernd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*