Apple Macbook Woche 3 – oder wie man Umsteiger wird

Naja, wie man Umsteiger wird? Wahrscheinlich gar nicht – zumindest nicht so bald. Zuerst müsste man sich mal an die Tastatur gewöhnen und an dieses „Apfeltaste“+Q, was vom Tastaturlayout her deckungsgleich zum PC-Pendant @ [at] liegt. Das Dumme an der Geschichte ist, dass man das @-Zeichen sehr oft braucht, meist dann, wenn man ein ellenlanges Formular im Internet ausfüllt und anschließend noch schnell die Mailadresse eintippen möchte.

Was daran dumm ist? Apfeltaste oder ⌘+Q schließt das aktuelle Programm inkl. aller eventuellen Formulare ohne Nachfrage…

Vielleicht gewöhne ich mich ja daran. Doch jetzt mal von Anfang an. Es war Januar, als ich – zum wiederholten Male – feststellen musste, dass Windows Vista mit großen Schritten näher kommt, mein Geist und Fleisch willig aber meine unterm Tisch stehende Hardware eher schwach bzw. alles andere als aktuell ist. Mein immer wieder liebevoll aufgerüsteter PC im mittlerweile schönen Gehäuse, vollgestopft mit Platten, passendem Brenner, traumhaft leisen Lüftern, der Hauppauge Nexus DVB-S (der besten Entscheidung seit es digitales Fernsehen gibt) kommt also langsam in die Jahre. Der alte Spruch „Zum Schaffen, Surfen, TV-Aufnehmen und ein bisschen Zocken langt der noch ewig“ entspricht nicht mehr ganz der Wahrheit.

Als technisch interessierter Mensch mit leichtem Hang zu „wenn’s neu ist, muss ich’s haben“ wollte ich aber Vista – will ich Vista (ich hab es noch immer nicht…). Also muss neue Hardware her – aber was? Ein Notebook soll es sein, das alte ist sowieso schon zu langsam für alle meine Tätigkeiten, die schnell und mobil ausgeführt werden müssen (ich kann mir sowas innerhalb von Minuten einreden). Moment. Wenn schon ein Notebook, dann mal schauen, was es da im Moment von Apple gibt – da war doch was, dass unter den Intel-Notebooks Vista kein Problem ist? Schnell gegoogelt, schnell gefunden – Vista kein Problem! Sich mit Mac OS und Vista gleichzeitig befassen – doppelter Lerneffekt für halbes Geld – perfekt.

Die Preise für die aktuellen Macbooks holten mich aber temporär wieder auf den Boden der vernünftigen PC-Welt [hier soll keine Zeitschriftenwerbung gemacht werden] zurück. 2600€ für das 17zoll-Modell, 2000 für das 15er und ab 1000€ für 13,3″-Macbook. Also war gleich mal klargestellt, dass es das 13er tun müsse [auch hier kann ich mir schnell einreden, dass Besitzer der größeren Geräte die eigenen wahrscheinlich kompensieren müssen – nee, Spaß…]. Da ich mir sicher bin, dass ich mir teure Hardware niemals kaufe, wenn ich auch nur eine Nacht drüber schlafe oder gar auf die Idee komme, „mal schnell nach nem gebrauchten VW Bus zu schauen“, waren es nur wenige Mausklicks, die das Doppelkern-Notebook, getaktet mit immerhin zwei Milliarden Schwingungen pro Sekunde, in meinen Warenkorb hievten. Bestellung abschicken, fertig. Bestellung weg, keine Chance über Zubehör nachzudenken.

Zwei Tage später (ich würde gern sagen, „ich hab schon gar nicht mehr dran gedacht“) war es endlich soweit. Die bildhübsche, 19jährige Postangestellte brachte mir freudestrahlend das Paket, das sie aufgrund des Gewichts eng an ihren gelben Bikini gepresst leichtfüßig die Treppe… kann mal jemand das Programm umschalten?!

Noch mal: zwei Tage später keuchte sich der deutlich zu schwer geratene nach einer Mischung aus Diesel und Schweiß duftende gelbe Mann bis zu meiner Haustür vor und überreichte mir das 3kg-Paket, bevor er tot zusammenbrach. Nachdem ich die Leiche entsorgt und die restlichen Pakete im Wagen gerecht unter den Nachbarn aufgeteilt hatte, machte ich mich ans Auspacken. Und tatsächlich. Das war es. Das Gefühl, von dem so viele berichten, wenn sie zum ersten Mal Apple-Hardware anfassen (und das mir, wo ich immer dachte, dass ich PC-hetero wäre!). Alles ist glatt, ohne irgendwelche Kanten, der Karton ist umhüllt von einem anderen Karton, welcher wiederum in einem Karton verpackt ist. Man sieht quasi förmlich den riesigen Mahagoni, der mit seinen 20m Umfang gerade ausgereicht hat, genügend Papier für diese Verpackung herzustellen.

MacbookDie Verpackung – viel zu schön, um sie wegzuwerfen – schnell ins Regal gestellt und ab in die Nähe einer Steckdose. Das erste Gimmick: Der Netzteilstecker ist zum Notebook hin magnetisch und trifft praktisch von alleine (endlich auch im Suff noch Notebook laden). Das Notebook fährt hoch und das brilliante Display strahlt auf. Als erstes führt einer der typischen „Herzlich-Willkommen“-Assistenten durch die Fertigstellung der Installation. Vom applegeneigten Geschäftskollegen weiß ich, dass die Einbindung ins heimische WLAN „so einfach wie bisher noch nie“ geht. Ich wähle meinen Router aus, tippe den Schlüssel ein und… „Ein Fehler ist aufgetreten“ Hmm, ich tippe den Schlüssel erneut ein, „Ein FEHLER ist aufgetreten“. Nach alter Try-And-Error-Methode entscheide ich mich für die zweite mögliche Taste und breche die Suche ab.

Ein Klick auf den blauen Apfel links oben in der Ecke, anschließender Klick auf „Systemeinstellungen“ und „Netzwerk“ klärt schnell das Problem. Der Startassistent erwartet eine Eingabe des WEP-Schlüssels als ASCII und nicht als HEX. Da ich meinen Schlüssel als ASCII aber gar nicht kenne, schalte ich von WEP ASCII auf WEP HEX und siehe da: Internet. Aber wo sind all meine Leisten, Knöpfe und Symbole?

Den weiteren Abend verbringe ich mit dem Anklicken aller Bildschirmschoner, Spiele und Hintergrundbilder – mein typisches Verhalten bei neuer Technik, sei es Computer oder Mobiltelefon – und vertage ein ausführliches Kennenlernen auf den nächsten Tag.

ApfeltasteAm Tag darauf wollte ich bewusst alles, was ich auch sonst am PC mache, mit dem Macbook erledigen. Zuerst also schnell das Mailprogramm (genannt, so dass es jeder Mac-User versteht: „Mail“) konfiguriert und Mails abgeholt. Einfach, aber Outlook ist m.E. auch sehr einfach. So, was steht als nächstes auf der Tagesordnung? Ich merke – was sich übrigens auch immer bei einem neuen System (z.B. Linux) zeigt – dass ich nach nur fünf Minuten keine Idee mehr habe, was ich noch machen könnte. Noch mal die Bildschirmschoner durchklicken? Nee, lieber mal auf Ebay schauen, Blogs lesen, so Zeugs, was man halt macht. Bei diversen Anmeldungen im Netz, die als Benutzername meine Mailadresse fordern, stolpere ich über die Apfel+Q-Problematik und verfluche mehrmals ausgiebig die Tastatur. Vom Touchpad her war ich eigentlich auch besseres gewohnt, einzig die bequeme Möglichkeit, mit dem Zeigefinger zu „zielen“ und mit dem Mittelfinger gleichzeitig zu scrollen gefällt mir sehr gut.

Gegen Abend – dann, wenn’s gemütlich wird – machte ich mich an den Test des mitgelieferten Programms „iMovie HD“, ein Videoschnittprogramm von, wie ich behaupten würde, hoher Einfachheit und gleichzeitiger Qualität. Schnell ein Angeberreiseband auf MiniDV in die Kamera gesteckt, FireWire-Kabel ran und losdigitalisiert. Nach 60 Minuten (klar, Echtzeit halt) stelle ich fest, dass das 16:9-Display (oder 16:10?) bei der Videovorschau links und rechts schwarze Balken hin zaubert – eher ungewöhnlich für Breitbildmaterial… ein Blick in die Eigenschaften klärt auch dieses Problem, ich starte ein neues Projekt und stelle das „Videoformat“ von DV auf DV-Breitbild um. Also noch mal eine Stunde nichts tun…Zu allem Überfluss kachelt iMovie nach geglücktem Import ab und nach Neustart bekomme ich die Meldung, dass alle meine Clips (zugeschnitten hat er sie gleich bei Szenenwechsel) im Papierkorb abgelegt seien. Klick auf Papierkorb, es erscheint die Auswahl „Papierkorb entleeren“ und „löschen“. Egal, auf welche Schaltfläche ich klicke: „Wollen Sie […] entgültig löschen?“ Nee, will ich nicht! Die Lösung scheint laut Internetrecherche darin zu bestehen, die Dateien per Drag-And-Drop aus dem Papierkorb wieder zurück ins Programm zu ziehen – leider bewegen die sich keinen Pixel weit von ihrer Position im Müll weg. Da spricht, wie aus dem Nichts, ein alter Kollege zu mir: „Reboot tut immer gut!“ Und tatsächlich – nach Neustart lassen sich alle Clips aus dem Dreck holen. Und ich dachte, einen Mac müsse man überhaupt nicht mehr neu starten (Zitat aus dem Handbuch: „…wenn Sie Ihren Mac mehrere Tage nicht benutzen, schalten Sie ihn aus…“).

Bis jetzt bin ich schwer begeistert und werde mich da noch kräftig reinknien – deshalb hab ich eine eigene Kategorie „Mac“ eingerichtet. Bald gibt’s mehr!

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