Reisen mit Kindern: Reisebericht Menorca Teil 5

Tag 7 (28.09.2016)

(Artikel ist die Fortsetzung dieses Beitrags, Teil 1 findet sich hier)

Wir mussten unser Auto leider gestern Abend wieder zurückgeben und sind somit heute – am letzten Tag unseres Urlaubs – wieder hier gefangen. Beim (erneuten) Erkunden des Kinderspielraums, der sich in der Nähe der Snackbar befindet, sticht uns beißender Geruch in die Nase, wir erkennen aber schnell, dass das nichts Wildes ist und lediglich eine Mutter im angeschlossenen Wickelraum gerade ein Kleinkind frisch wickelt.

Wir ziehen unsere Schuhe aus (das muss man hier und soll gleich noch wichtig werden) und spielen ein bisschen mit den angebotenen Fahrzeugen, bis Carina mit nervösem Blick die Kinder schnappt und zur Tür drängt. Die wickelnde Mutter war nämlich mittlerweile wieder im Spielraum und hatte leise zu ihrem Mann gemeint „Shh! There is still poo on the floor!“, worauf dieser sich unauffällig und mit Papiertuch ausgestattet zu Boden ließ. Da gab es wohl direkt vor dem Wickeln einen kleinen Unfall. Da der Mann so ziemlich in der Mitte des Raumes kniet, um das Malheur aus der Welt zu schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass wir alle diese Bodenpartie in den letzten Minuten mindestens einmal überschritten hatten. Wir schauen auf unsere strümpfigen Füße und entscheiden uns für eine rituelle Verbrennung unserer Socken.

Den restlichen Vormittag verbringen wir auf den Spielplätzen. Auf dem Weg ins Appartement gehen wir vorbei an der skandinavischen Sportanimateurin, die gerade Yoga unterrichtet. Ich bleibe lange stehen und schaue fassungslos zu, wie sich ein deutscher Mittfünfziger daran versucht, als Schüler auf der Matte eine annähernd gute Figur abzugeben, um damit – vermutlich – seine attraktive Lehrerin beeindrucken zu wollen. Was ihm nicht im kleinsten Ansatz gelingt. Auch, wenn mein Abstand zu den zweien (hatte ich erwähnt, dass er der Einzige war?) ein Potraitfoto erlaubt hätte, ist mein Fremdschämen so groß, dass ich es nicht schaffe, mein Handy zu zücken und das festzuhalten. Ich möchte ihm sagen, dass er das lassen soll, ich möchte ihm ernsthaft helfen (wirklich!), kann es aber nicht. Ich kann mich erst aus der Situation befreien, als mir Carina hart in den Magen schlägt und ich in gekrümmter Haltung dann von ihr weiter in Richtung Appartement gezogen werde, weil ich „attraktive, skandinavische Superblondine“ wohl wieder mal laut gesagt hatte und mittlerweile 10 Minuten vergangen waren.

Beim Mittagessen versucht eine ältere Dame, sich mit der am Süßigkeitenglas befindlichen Zange einen Nachtisch zu angeln, schafft das aber feinmotorisch nicht, resigniert und greift herzhaft mit der bloßen Hand hinein. Da ich fest davon ausgehe, dass sie ihre Hand zur Faust geballt und mit Süßigkeiten gefüllt nicht mehr aus dem Glas bekommt, muss ich weiter beobachten. Sie schafft es leider, ohne das Glas zu zerstören, bemerkt dann aber wohl, dass sie sich doch ein bisschen zu viel genommen hat (man hat ja Anstand) und wirft der Großteil zurück ins Glas. Für die Kinder. Unweit dieser Szene steht eine kaum bekleidete junge Frau auf wackeligen Beinen, weil sie offensichtlich jetzt zur Mittagszeit schon so betrunken ist, dass man sie einfach an die Hand und mit Nachhause nehmen könnte. Bei näherem Hinsehen entdecke ich die roten Flecken in ihrem Gesicht. In Verbindung der Situationen „Poo on the floor“, „Süßigkeitenglas“ und dieser jungen Frau, mit welcher der Hand-Mund-Fuß-Virus den wohl bestmöglichen Wirt zur Weiterverbreitung gefunden hat, wird mir klar, dass bei dieser Menschenmenge auch bequem eine Epidemie entstehen kann, da immer wieder gesunde Neuankömmlinge nachkommen. Und es wird mir klar, dass das Hotelpersonal da nichts dafür kann. Und es wird klar (gut, ich würde lügen, wenn das erst zu diesem Zeitpunkt klar geworden wäre), dass wir hier nicht hergehören.

Man könnte mit dem VW-Bus bis zum Strand fahren. Wann man ihn denn dabei hätte…

Der müffelnde Strand in Hotelnähe wirkt – vermutlich aufgrund aktueller Erkenntnisse – auf einmal gar nicht mehr so müffelig. Wir treiben uns den Rest des Tages an selbigen herum und erkunden noch ein letztes Mal ein bisschen die Umgebung in der Angst, dass wir jetzt, am letzten Tag, doch noch ein Highlight entdecken und uns dann wochenlang ärgern würden, das vorher nicht bemerkt zu haben. Wir entdecken zum Glück keines, außer einem Entenküken.

„Schau mal, Schatz: Da hocken zwei kleine Menschen!“ – „Oh wie süß! Was haben die für witzige Mützen auf!“

Der Rückflug geht früh morgens am nächsten Tag, weshalb wir ein mickriges „Extra“-Frühstück vor Öffnungszeit des Restaurants bekommen, was aus kaltem Toast besteht (weil der, der den Toaster anschalten kann, erst später aufsteht).

Fazit: Menorca jederzeit wieder, Familyhotel nicht. Und: Es war nicht ganz so schlimm, wie sich das jetzt liest. Unter dem Strich hat es sich trotzdem gelohnt! ;-)

Und an alle Zweifler: Man hat eben DOCH trotz Kinder noch Zeit für anderes! Innerhalb von nur 2 Monaten habe ich es geschafft, diesen Text zusammenzuschreiben (für den früher ein Abend langte).

Mauern, Mauern, Mauern. Menorca aus der Luft.

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