Make my day for 200 rupees!

So, drei Nächte Negombo sind genug! Nichts wie los, Sri Lanka entdecken. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Man muss vorwegschicken, dass wirklich alle hier sehr sehr freundlich und zuvorkommend sind. Man hat (ich hab) zwar das Gefühl, das jeder Hintergedanken hat, aber das ist Stand jetzt vermutlich eher das angeborene Misstrauen. Wobei hier zu Fuß unterwegs zu sein echt ein Abenteuer ist. Viele Menschen, viele Tuktuks, viel ‚crazy Busdriver‘ (wie wir schon gewarnt wurden). Wichtig hier: Immer gegen die Fahrtrichtung gehen! Nicht nur wichtig, überlebenswichtig! All‘ die Menschen scheint das nicht zu jucken. Alle sind furchtbar interessiert an uns und alle so übernatürlich freundlich – vom Schulkind, über den Tuktuk-Fahrer bis zum Bettler. Bei den kleinsten Schulkindern sieht man schon von weiten, wie sie sich gegenseitig anstacheln, wer von ihnen uns ansprechen muss – zum totlachen, echt! Es trifft dann den Kleinsten, der mir entweder die Hand geben oder ‚Hello Sir, how are you today?‘ fragen muss. Direkt danach schmeißt sich die ganze Gruppe vor lachen weg – das passiert aber auch schon, wenn man nur zurückwinkt oder -lächelt. Entweder sie hassen uns oder sie lieben uns… ich glaub‘ halt mal wieder an das Gute im Menschen und geh‘ vom lieben aus.

Sogar die Nepper, Schlepper, Bauernfänger hier sind freundlich. Und bleiben auch dann freundlich, wenn man höflich ablehnt.

„Sir, Taxi?“ – „That’s nice, but we walk, thank you very much, Sir!“ – „Sir, would you like to change money?“ – „No, thank you, Sir!“ – „Ok, but better conditions than cashmachine!“ – „Nice, but still no!“ – „Ok, where are you from, Sir?“ – „Germany!“ (läuft immer noch neben mir hier, da ich nicht stehen geblieben bin) – „Ok, is there snow in Germany?“ – „Yes, there is.“ – „Ok,  I’ve never seen snow, would you like to make a tour tomorrow? I know good places!“ – „Hmmm, no!“ – „I can get you Marlboro, red and silver ones.“ – „Let me think… no!“ – „But cheap! 1200 per package!“ – „Too much!“ – „Ok, 1200 for 2 packages!“ – „Still too much!“ – „Sir, I’ve childs. What do you want to pay?“ – „I’m sorry for that, man, but I want to pay: nothing.“ – „Would you like to eat in .. that restaurant, may be..? Sir?“ – „Uuuh, sorry, we’re already stuffed.“ – „May be tomorrow, Sir?“ – „Yes, may be. Or may be not.“  „Thank you, Sir, have a good night.“ (lächelt und bleibt stehen).

Ab ins Meer!

Ich hab‘ übrigens etwas besseres für meine 200 Rupien gefunden, als eine Dose Ginger Ale zu kaufen. Eine Flasche Bier (wir reden hier von 625ml) kostet… tada!… 200 Rupien = 1,33 Euro! Der Monatslohn eines singhalesischen Arbeiters beträgt umgerechnet 50 Euro, also hab‘ ich im Moment einen Zweiwochenlohn in der Tasche der Badehose und ich fühl‘ mich trotzdem nicht prollig. Gebadet hab‘ ich in der Hose allerdings noch nicht, weil.. naja, ich würd‘ nicht sagen, dreckig.. obwohl doch: Weil’s hier echt dreckig ist. Für meine Verhältnisse. Ich vermute, ein Indienreisender wird sich mit offenem Mund in die Fluten stürzen und was von ‚Paradies‘ brabbeln. Ich find’s dreckig. Aber auch irgendwie schön. Es ist tatsächlich so, wie man das aus Indienberichten kennt, dass Menschen am Straßenrand liegen – allerdings hatte ich bei keinem das Gefühl, dass es wirklich kritisch wäre und direkt um Leben und Tod ginge. Das mag vielleicht arrogant klingen und ich bin beileibe nicht der Typ, der einem Bettler nichts gibt, aber wenn der kleinste Schein in meiner Tasche 500 Rupien, also 4 Euro noch was sind, kann ich das dem guten Mann nicht geben. Fast ein Zehntel des Monatslohns und ich hab‘ vermutlich unter dem Autositz deutlich mehr liegen.. wenn man sich das in deutsche Verhältnisse umrechnet, wäre es aber auch in Deutschland undenkbar. Seit heute hab‘ ich endlich auch ein paar kleine Münzen. Wobei: Eigentlich ‚hatte‘, da wir die direkt einer Bettlerin mit Baby im Arm gegeben haben.. vielleicht zwei oder drei Monate alt.. (and let me think.. which baby do I know, that is in that age..?) nur, um mir sofort im Anschluß vorzuwerfen, dass sie auch mit ihren späteren Kindern in der Mittagssonne stehen und betteln wird – weil sie weiß, dass es klappt. Echt ein Zwiespalt..

Aber mal nicht zurückblicken, sondern nur nach vorne! Morgen früh geht’s weiter und wer die Reisehinweise des auswärtigen Amtes gelesen hat, weiß auch schon das Ziel:

„Für Reisen in die nördlichen Distrikte Jaffna, Kilinochi und Mullaitivu, in denen weiterhin hohe Militärkonzentration herrscht und Entminungsmaßnahmen stattfinden, ist zwingend eine Genehmigung des srilankischen Verteidigungsministeriums in Colombo erforderlich. Von Reisen dorthin wird abgeraten.

Fischmarkt in Negombo

Also ab in den Norden. Ich hab‘ eh noch ein, zwei Fragen beim Schicksal offen :). Gut, ganz so weit in den Norden werden wir wohl nicht fahren. Sorgen machen braucht sich niemand, weil wir einen netten Typen kennengelernt haben, der uns auch schon vom Flughafen nach Negombo gebracht hat. Er hat direkt betont, dass er katholisch ist. Das ist vielleicht das einzige, was mir Sorgen an ihm bereitet :). Er fährt uns zum Festpreis die nächsten drei Tage durch’s Land und wird uns am Dienstag in Kandy wieder rausschmeißen. Dass er kein böser Mensch ist, sieht man daran, dass er a) trotz von mir angeboten kein Geld vorher haben will und b) ich glaube und hoffe, dass ich das erkennen würde. Wenn ich am Dienstag dann was anderes schreibe (natürlich vom Internetcafe aus, weil er mein Laptop und iPhone geklaut hat), dann dürft ihr alle mal herzlich lachen! Klar will und wird er Geld an uns verdienen, aber warum denn bitte nicht? Aber er will auch, dass wir allen erzählen, wie toll Sri Lanka ist und ihr alle irgendwann dorthin kommt.

Wie die Internetabdeckung in der nächsten Zeit ist, kann ich nicht sagen, eine UMTS- oder Sonst-Irgendwas-Drahtloses-Flat werde ich mir hier doch nicht besorgen – einfach, weil die Handyshops hier kleine Blechhütten am Straßenrand mit einem aufgeklebten Visa-Schild sind und ich DA bestimmt keine Kreditkarte reinstecke. Plan ist, dass wir in Kandy auf unsere kleine, verplante Grit treffen (und wenn sie das irgendwann liest, weiß sie hoffentlich, dass das in keinster Weise böse gemeint ist). Ob das klappt: Ihr werdet’s erfahren. So, jetzt langsam ab ins Zimmer.. oder noch ein 1,33 Euro Bier..? The mosquitos eating me..

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