Schultermumps und SS-Schnitten

Gunzi Heil und Gäste (im Osterfeld in Pforzheim – 22.11.2006)

Gunzi HeilEr sagte es schon am Anfang der Vorstellung – er grüße alle diejenigen, die Eintrittskarten geschenkt bekommen oder gewonnen haben. An einem Mittwochabend macht man ja schließlich nichts kaputt, da kann man auch mal ins Osterfeld kommen. Gewissermaßen hatte er recht.

Eine halbe Stunde vor Beginn, der auf 20.00 Uhr geplant war, waren wir und noch eine ganze Menge andere Besucher schon im Gang vor dem Saale. Bei unserem Betreten der Theatergänge breitete sich hör- und sichtbar Stauen, Verwunderung und teilweise Mitleid aus – und der Alterdurchschnitt sank um 15 Jahre. Zwei, drei andere junge Menschen waren dann doch noch da – wahrscheinlich auch die Karten geschenkt bekommen. Die Idee war, direkt am Gang Platz zu nehmen, damit man unauffällig verschwinden könne, sollte es allzu langweilig werden. Doch schon beim Eintritt in den – nennen wir es Saal – war klar, dass wir hier nie wieder ungesehen rauskommen würden. Als sich dann der Rest des Publikums sowie der Geruch alter Menschen setzte und das Licht aus ging, waren wir dennoch froher Hoffnung.

Der eher zähe Beginn der Show brachte in uns aber schnell und unweigerlich den Wunsch auf, zur Fernbedienung zu greifen und wieder zurück auf einen Mainstreamkanal zu schalten. Aber da war keine Fernbedienung! Die erste halbe Stunde war tatsächlich meist sehr holprig (oder halt nicht unser Humor), nachdem diese aber überwunden war, konnte man sich entspannt zurücklehnen (man könnte, wenn es die Holzpritschen zuließen) und dem zweiten Künstler lauschen – Horst Evers.

Horst EversGleich von Anfang an war klar, dass dieser Mann eher unseren Humor anspricht. Durchhängerfrei erzählte er über eine halbe Stunde aus seinem Leben, von seinen unterforderten technischen Geräten, seiner nicht vorhandenen Paranoia und seinem Schultermumps. Von der verzweifelten Bäckerin und dem gemeinen Getränkeautomat im Pforzheimer Krankenhaus. Oder wie ihm über Nacht der Körper gestohlen wurde und man ihn gegen einen anderen ausgetauscht hat – einen mit kaputter Schulter (vom Vorbesitzer wahrscheinlich beim Segeln verletzt)! Einwandfrei und viel zu schnell vorbei!

H.G. ButzkoAnschließend war Pause – darauf waren wir dank Horst Evers bestens vorbereitet. Dass es in dieser Pause reichlich Alkohol gab, merkte man nicht zuletzt an der ausgelassenen Stimmung, die danach zu spüren war. H.G. Butzko, der direkt nach der Pause übernahm, fand großen Anklang im Publikum – bei uns eher nicht… Zuviel der allzu gut bekannten Politiksatire – zuviel Sprüche, die man an anderer Stelle aus anderem Munde schon gehört hat.

Nichts desto Trotz, der Schluß war deutlich besser (was nicht allein an einem 0-33er-Pils gelegen haben kann). Gunzi Heil berichtete aus seiner Fahrschulzeit und erklärte als Reich-Ranicki, was die Rechtschreibreform aus den guten alten Eszet-Schnitten gemacht hat.

Schwacher Anfang, top Schluß – beim Publikum kamen alle drei durchweg sehr gut an, für uns hätte man das 2,5-Stunden-Programm auf eine verkürzen können (aber keine Minute bei Horst Evers wegnehmen!).

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